Agiles Mindset

Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG, machte dieser Tage mit einem Essay im Handelsblatt zum Thema Corona Krise auf sich aufmerksam.
Die Axel Springer AG hat einen erfolgreichen Weg der Bewältigung der digitalen Transformation in der Vergangenheit gezeigt. Eine Anregung, wie man bevorstehende Herausforderungen gut bewältigen kann.

#Unternehmertum #Vertrauen Kreativität #Integrität 

#Unternehmenskultur

Innovation durch Vertrauenskultur, Agiles Management

Vertrauenskultur in unsicheren Zeiten

 

Dieser Tage beschäftige ich mich wahrscheinlich wie der Rest der Österreicher sehr viel mit Nachrichten und Meinungen zur aktuellen Situation. 

Als ich am Sonntagmorgen die Kleine Zeitung gelesen habe, habe ich mit viel Freude gesehen, dass der Beitrag von Mathias Döpfner, der ein paar Tage zuvor im Handelsblatt zu lesen war, auch hier abgedruckt wurde. 

Der Zugang von Döpfner empfinde ich als wertvoll, vielleicht auch deshalb, weil ich mich mit dem Weg des Axel Springer Verlags auch schon in der Vergangenheit auseinandergesetzt habe. 

Ich unterrichte nebenbei am Studiengang für internationales Management an der FH JOANNEUM. Ich diskutiere gerne Erfolgs- und Misserfolgsgeschichten von Unternehmen. Axel Springer und die Art und Weise wie das Unternehmen die digitale Transformation geschafft hat, zählt zu den Erfolgsgeschichten, die ich gerne mit Studierenden diskutiere. 

Mathias Döpfner, seit 2002 Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG, ist die prägende Leitfigur der digitalen Transformation, die das Unternehmen geschafft hat. 
 Sein erklärtes Ziel damals war es „Wir wollen der führende digitale Verlag werden.“ Axel Springer zählt mehr als 16.000 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Umsatz von 3,2 Milliarden Euro. 

So wie ich den Beitrag von Döpfner im Handelsblatt hervorragend finde, so positiv und wertvoll finde ich auch den Managementansatz, der in der Springer AG gelebt wird. 

Seit 2008 stehen bei Axel Springer Führungsgrundsätze und Transparenz über die Anforderungen und Erwartungen an die Führungsrolle im Fokus. 

Diese basieren auf den drei Werten, die das Selbstbewusstsein des Unternehmens bestimmen und für das tägliche Handeln aller Mitarbeiter als Maßstäbe dienen: 

Kreativität, Unternehmertum und Integrität 

 
Kreativität: 

Kreativität bedeutet für Axel Springer, dass das Management unter anderem durch das Vorleben von Motivation und Begeisterung Kreativitätsprozesse fördert. Da findet sich der Grundsatz, dass das Management nur das fordert, was es auch selbst einhalten kann. 

Zudem ist es ganz wichtig, Raum für Ideen zu schaffen, Freiräume und neue Denkansätze zur fördern, Kreativität und Ideen unabhängig von Hierarchieebenen zuzulassen. 

Wie oft sehe ich Geschäftsleitungen, die auf in der Vergangenheit erfolgreiche Denkmuster nicht verzichten wollen und die sich über Statussymbole und Hierarchien definieren. 

                                                                                                 

Wandel wird in der Axel Springer AG als etwas Positives gesehen. Im Mindset des Unternehmens bergen Veränderungen Chancen. Man muss bereit sein sich von Gewohntem zu verabschieden und Neues auszuprobieren. Das Management muss es verstehen, Feedback richtig einzusetzen aber auch fähig sein, Kritik von Mitarbeitern entgegen zu nehmen. 

 
Unternehmertum: 

Unternehmertum bedeutet für Axel Springer ideenmutiges, eigenverantwortliches und ergebnisorientiertes Handeln der Mitarbeiter und Führungskräfte. 

Chancen werden verantwortungsvoll ergriffen Entscheidungen getroffen und entschlossen vertreten. Wesentlich ist es demnach auch Bereichs- und Markengrenzen übergreifend sowie auch über Hierarchien hinweg zu denken. Nur wenn der Gewinn der bereichsübergreifenden Zusammenarbeit für alle Parteien erkannt werden kann, wird man auch erfolgreich sein. 

Dazu zählt auch das konsequente Arbeiten mit Zielen und klare Prioritäten zu definieren. 

Aus meiner Sicht ganz wesentlich ist der Grundsatz Axel Springers Erfolge gemeinsam zu feiern und Rückschläge ohne Schuldzuweisung zu analysieren. 

In meiner Beratungspraxis erlebe ich es ganz stark, dass mit Schuldzuweisungen gearbeitet wird. Dies zieht sehr viele negative Entwicklungen nach sich. Dinge werden schöngeredet, die Angst etwas falsch zu machen und damit die Angst etwas zu verändern wird immer größer. Dies zieht sich auch in Bereiche des Controllings, der Ergebnisprüfung. Verschleierungstaktik wird wichtiger als ehrliches Hinschauen, wo haben wir gut und wo haben wir schlecht performt. Die Liste ließe sich hier lange fortsetzen. 

 
Integrität gegenüber dem Unternehmen, den Lesern, den Kunden, den Mitarbeitern, den Geschäftspartnern und Aktionären
 

Dieser letzte Punkt der Managementgrundsätze, die in der Axel Springer AG gelebt werden, wird in Zukunft noch an Bedeutung gewinnen. 

Das Management der Axel Springer AG hat es sich zur Aufgabe gemacht, respektvoll zu kommunizieren und zu handeln. 

Dazu zählt es auch Entscheidungen respektvoll und ehrlich zu kommunizieren. 

Gerade auch in diesem Zusammenhang begegnet mir im Beratungsalltag gelinde gesagt sehr viel Feigheit. Gerne wird die Position des Beraters herangezogen, um unangenehme Dinge nicht direkt aussprechen zu müssen. 

Das macht nur dann Sinn, wenn ich es als Berater verstehe, einen Konsens und damit Commitment aller Beteiligten herzustellen. 

Das ändert aber nichts daran, dass auch das Management in der Lage sein muss, Entscheidungen zu treffen, diese zu kommunizieren und voll dahinter zu stehen 

Zur Integrität zählt selbstverständlich auch die konsequente Einhaltung von Recht und Gesetz sowie der Unternehmensrichtlinien, den definierten Werten und Leitlinien 

Wertekataloge zu kommunizieren und im Alltag nicht zu leben, erzeugt Dysfunktionalitäten, Unsicherheit und Verärgerung bei Mitarbeitern. 

Ich bin persönlich davon überzeugt, dass Integrität und Verantwortung gegenüber allen Stakeholdern, die von den Tätigkeiten von Unternehmen betroffen sind, im Sinne von Corporate Social Responsibility an Bedeutung gewinnen wird. 

Das Zukunftsinstitut in Berlin beschäftigt sich dieser Tage mit den Megatrends, nicht zuletzt auch ausgelöst durch die derzeitige Krisensituation. Themenstellungen wie New Work und Corporate Social Responsibility, die Verschiebung von Werten werden demnach noch relevanter, noch wichtiger. 

Wie die Axel Springer AG erfolgreich gezeigt hat, war die Veränderung der Unternehmenskultur ein wichtiger Baustein um die digitale Transformation zu schaffen. 

Wir stehen aktuell vor vielen Herausforderungen und Transformationen, von denen wir noch nicht wissen, wie sie aussehen werden. 

Organisationskultur

Jedenfalls wird aber hilfreich sein, Organisationskulturen aufzubauen, die durch folgende Faktoren geprägt sind: 

-        Klarheit 

-        Menschenbild 

-        Potenzialentfaltung 

-        Wertschätzung von Unterschieden 

-        Mut 

-        Feedback 

Klarheit bedeutet zu wissen, was man will und dies auch so kommunizieren zu können, dass andere den Weg und das Ziel verstehen und gerne und motiviert ein Stück gemeinsam des Weges gehen.
Menschenbild steht für Willen zu kreativem und produktivem Arbeiten, gekennzeichnet durch Selbstorganisation, Leidenschaft und Respekt.
Potenzialentfaltung ist nur möglich, wenn ich meine Mitarbeiter, meine Kollegen, mein Umfeld wahrnehme und besondere Fähigkeiten schätzen und positiv unterstützen kann.
Wertschätzung von Unterschieden, das Erkennen des Besonderen im Anderssein, die Vielfältigkeit des Lebens und der Charaktere verstehen können – all das ist eine gute Basis täglich dazu zu lernen und ein wenig über den eigenen Tellerrand rauszuschauen auf der Suche nach neuen kreativen Lösungen.
Mut heißt zum Anderssein stehen, eine Meinung haben, aber auch Eingestehen können, dass man falsch lag.
Feedback zu geben, das Andere durch die richtige Kommunikation stärker macht, ist wohl eine Kunst, die man lernen muss aber auch lernen kann. 

Vergleichen wir dies mit den Grundsätzen von Axel Springer, so lassen sich hier einige Parallelen entdecken. 

Meine Vortragstätigkeit an der FH JOANNEUM, die Arbeit mit jungen Menschen, ist für mich neben der Freude mit jungen Menschen zu arbeiten auch immer wieder ein Gradmesser der veränderten Sichtweise der jungen Generation. 

Hier erfahre ich immer wieder, wie sich die Wertigkeiten junger Menschen von denen meiner Generation zu unterscheiden beginnen. 

Fairness, Umweltbewusstsein, Nachhaltigkeit, Individualität, ein sehr genaues Hinschauen, was brauche ich wirklich, kennzeichnet diese neue junge Generation. 

Gut so, weiter so. 

Aber was bedeutet dies für Unternehmen, die mit den besten zusammenarbeiten wollen, die erfolgreich in die Zukunft gehen wollen. 

Es bedeutet, hier einen sehr klaren Blick auf diese Entwicklungen zu haben, die nicht nur HR Management und Anforderungen an die Unternehmenskultur nachhaltig, sondern auch die Bedürfnisse am Markt stark verändern. 

Herkunft, faire Handelsbedingungen, nachweisbar faire Lieferketten werden immer bedeutender werden. 

FAZIT: 

Unternehmen stehen vor vielen neuen Herausforderungen, viele Glaubenssätze der Vergangenheit scheinen zu wanken. 

Axel Springer hat in der Vergangenheit einen erfolgreichen Weg der Bewältigung der digitalen Transformation gezeigt. 

Ein wesentlicher Baustein des Erfolgs waren Veränderungen der Unternehmenskultur! Kreativität, Unternehmertum, Vertrauen und Integrität sind ein guter Nährboden um alle Herausforderungen zu meistern. 

Sabine Ilger

Deutschland