Corporate Social Responsibility

CSR: Shifting from why to How!


Integrierte Reporting - Instrumente werden an Bedeutung gewinnen
Corporate Social Responsibility: in einer Diskussion mit meinen Studenten (ich lehre nebenberuflich an der FH JOANNEUM) über international tätige Unternehmen besprachen wir auch das Thema CSR und Nachhaltigkeitsreports von den ganz Großen wie zum Beispiel Nike oder H&M.


CSR Reporting – FAKE NEWS?

Einhelliger Tenor der Studierenden war: FAKE, FAKE, FAKE – Nachhaltigkeit verwenden die doch nur als Feigenblatt, entscheidend ist nur eine Kenngröße: „Profit“ und diese triggert alle Geschäftsentscheidungen, egal welche Auswirkungen dies hat.

Ist das so?

Was tut sich im Feld?

Ein paar Hintergrundinformationen vorab, welche Initiativen weltweit laufen, abgesehen von der EU-Richtlinie, die seit 2017 vorgibt, dass Firmen mit mehr als 500 Mitarbeitern zu Integriertem Reporting verpflichtet sind.

Große Player wie Bloomberg und Thomson Reuters haben die Bedeutung von ESG Reporting erkannt. Environmental, Social Governance kurz ESG kann als Synonym zu CSR verstanden werden bzw. ist ein jüngeres Erscheinungsbild zur ursprünglichen Entwicklung von CSR Konzepten, die sich auf 80ziger und 90ziger Jahre zurückführen lassen.

Bloomberg hat mit RepRisk eine Datenbank aufgebaut, um Risiko hinsichtlich des Verlustes der Reputation und damit einhergehenden Finanzverlusten einschätzen zu können. Tausende Unternehmen werden für Investitionsentscheidungen hinsichtlich ESG Parameter gescreent und bewertet.

Auch Thomson Reuter´s ASSET4 Datenbank richtet sich Investoren:

Im O-Ton:

„Das Ziel von ASSET4 ist die Integration von Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungskriterien (ESG) als zentraler Bestandteil in Mainstream-Investitionsanalysen und in die unternehmerische Entscheidungsfindung. ASSET4 ist der weltweit führende Anbieter von extra-finanziellen Daten wegen den zuverlässigen, vertrauenswürdigen, objektiven, dynamischen, transparenten und umfassenden ESG Informationen. Durch die Bereitstellung einer flexiblen und einfach zu bedienenden Datenbank können professionelle Investoren und Führungskräfte auf eine neue Generation von Informationen und Analysen zugreifen“

Beide Datenbanken arbeiten nicht nur mit Informationen, die von den Unternehmen selbst zur Verfügung gestellt werden, sondern sie verlinken diese mit Informationen aus New Media Kanälen und privaten Recherchen.

Weltweit sind Kundenreaktionen auf Unternehmen mit publik werdender fehlender Governance zu beobachten, Investoren wandern ab zu ESG Fonds.

ArbeitnehmerInnen wollen für Firmen arbeiten, auf deren Produkte und Vorgehensweisen sie stolz sein können.

PURPOSE

Der Zweck, das Ziel, die Absicht im Englischen so schön mit dem Wort Purpose zum Ausdruck gebracht, wird immer wichtiger.

Warum gibt es ein Unternehmen und welchen positiven Impact kann sich die Welt daraus erwarten.  Shareholder versus Stakeholder Sichtweise – was ist letztendlich entscheidend?

Zahlreiche wissenschaftliche Publikationen beschäftigen sich mit den Auswirkungen von CSR/ESG Strategien sowie der Bedeutung von Purpose.

Die Konzentration auf Stakeholder statt auf Shareholder zeigen mittel- und langfristig positive Effekte auch auf Profitentwicklungen von Unternehmen. Vielleicht nicht in so rasch ansteigenden und kurzfristigen Gewinnverläufen, aber in einem fundierten und nachhaltigen Wachstum, das allen Beteiligten Vorteile erlaubt.

DER WEG IST BESCHWERLICH

Ehrliches Reflektieren der Corporate Identity und des eigenen Tuns sind die Basis.
 Trade-offs und unbequeme Wahrheiten liegen auf diesem Weg. Nur Menschen mit Mut und persönlicher Überzeugung werden diese Hürden nehmen.

Denn es ist notwendig einen ehrlichen und realistischen Blick auf soziale und umweltrelevante Auswirkungen des alltäglichen Tuns zu werfen. Fragen zwischen Trade-offs von Produkten mit hoher Rendite und Auswirkungen auf „Purpose“ des Unternehmens müssen erlaubt sein.

Die gesamte vor- und nachgelagerte Wertschöpfungskette muss diesem Blick standhalten.

Die Organisation muss auf diese Ziele ausgerichtet, die richtigen Incentives für Mitarbeiter entwickelt werden. 

MESSEN und WEITERENTWICKELN bleiben ständige Weggefährten

Was ebenfalls immer wichtig sein wird, und nun schließt sich der Kreis zu oben genannten Datenbanken, das zu messen und zu bewerten, was gemessen werden kann um daraus zu lernen. 

Hilfestellungen können Reporting Guidelines sein, die international üblich sind und auch angewendet werden.

Liest man das Grundsatzpapier des Corporate Reporting Dialogue, so werden die weltweit wesentlichen Guidelines zum Thema Integrated Reporting miteinander verknüpft.

Dazu zählen:

-        GRI (Global Reporting Initiative)

-        IIRC (Integrated International Reporting Council)

-        SASB (Sustainability Accounting Standards Board)

-        IASB (International Accounting Standards Board)

-        CDSB (Climate Disclosure Standards Board)

 

EIN KURZER BLICK INS IIRC FRAMEWORK:

IIRC bietet ein umfangreiches Framework mit grundsätzlichen Fragestellungen, die für jede Organisation und Branche Anwendung finden.

Darin finden sich Guidelines zu Themenstellungen wie Strategic Focus and Future Orientation, Connectivity of Information, Materiality, Conciseness, Reliability and Completeness sowie Consistency and Comparability.

Ein kleiner Auszug der Fragestellungen zu den einzelnen Punkten zeigt, dass hier mit Managementtools gearbeitet wird, die allseits bekannt sind. 

Zur Information ein paar Auszüge:

Strategischer Fokus

  • Was trägt die Strategie dazu bei, um den Wert des Unternehmens kurz- mittelfristig und langfristig zu erhöhen;
  • Signifikante Risken und Chancen ausgehend vom Marktposition und Business Modell
  • Performance in der Vergangenheit und jetzt, entscheidende Faktoren der Entwicklung
  • Wie reflektiert geht man mit Erfahrungen um
  • Etc.

Connectivity of Information

  • Abhängigkeiten zwischen Faktoren und Ressourcen zur Wertgenerierung
  • Technologische Sprünge, soziale Veränderungen, Ressourcenknappheit – wie werden diese berücksichtigt
  • Finanzkennzahlen, Umsatzsteigerung, Forschung und Entwicklung, Investment in Human Resources – sind alle Parameter und deren Auswirkungen erfasst
  • Energieeffizienz, Zusammenarbeit mit lokalen Communities oder Technologien für soziale Herausforderungen
  • Gewinnwachstum langfristiger Kundenbeziehungen und Kundenzufriedenheit, Reputation
  • Accountability in Verbindung mit dem Konzept Stewardship in Bezug auf die Erwartungen der Stakeholder
  • Etc.

Materiality

  • Erkennen der relevanten Parameter und ihre Auswirkungen auf die Value Creation des Unternehmens
  • Priorisierung einzelner Parameter
  • Eventuelle Evaluierung der Auswirkungen auf Organisation und Prozesse 
  • Etc.

Conciseness

  • Kurze und logische Berichte, die keine nicht relevanten Informationen enthalten
  • Wesentliche Parameter der Prozesslogik verständlich abgebildet
  • Logische Struktur und notwendige Querverbindungen der Berichte
  • Klare Angaben von Quellen
  • Etc.

Reliability and completeness

  • Ausrichtung des Internen Kontrollsystems
  • Leadership und Entscheidungsstrukturen
  • Auditprozess für Erstellung des Reports
  • Balance aller Informationen, kein Schönreden oder Verschweigen von Tatsachen, die nicht CSR entsprechen
  • Etc.

Diese und andere Reporting Initiativen können mit ihren Standards und Fragestellungen einen wertvollen Rahmen bieten. Dieser Rahmen ersetzt jedoch nicht, mit Peer Gruppen im Unternehmen einen dauernden Dialog zu führen. Welche Daten sind entscheidend um das Unternehmen nachhaltig zu führen. Wie muss das Reporting verändert werden?

Welche Schleifen müssen in der Organisation eingezogen werden, um diese ständig weiterzuentwickeln.

Die Ausrichtung der Organisation auf Purpose bedeutet den Verbrauch vieler Zeitressourcen. Lenkt man seinen Blick auf Managementforschung, so wird man die Parallelen oben angeführter Fragestellungen zu klassischen Managementtools schnell erkennen.

Purpose im Sinne von Nachhaltigkeit ist Leadership, Entwickeln von Mission und Vision, konsequente Verfolgung von Strategien und Zielen und anderes mehr, angereichert um den Aspekt der Berücksichtigung aller relevanten Stakeholder, angereichert um ein tiefes Verständnis der sozialen und umweltrelevanten Auswirkungen des eigenen Tuns.

Und es macht sich letztendlich bezahlt:

Welche positiven Effekte können erwartet werden?

  • Loyale Kunden
  • Kostenreduzierung durch Erhöhung von Energieeffizienz
  • Attraktiv für die besten Köpfe der Branche
  • Höhere Awareness in Bezug auf Entwicklungen der Gesellschaft
  • Niedrigere Finanzierungskosten, weil Investoren und Banken zunehmend billigeres Geld für entsprechende Unternehmen auflegen

Die Zahl der wissenschaftlichen Publikationen, die die positiven Effekte auch auf die Gewinnsituation eines Unternehmens, ausgelöst durch CSR/ESG Initiativen zeigen, ist hoch. Worauf warten wir also noch?

FAZIT:

Vertieft man sich ein wenig in die Welt des CSR/ESG Reportings so erkennt man sehr rasch, dass wir hier mit Managementinstrumente jonglieren, wie wir sie kennen, angereichert um Compliance Fragestellungen.

Entscheidender wird in Zukunft das WIE werden.

Reflexion unseres Verhaltens in Bezug auf soziale und umweltrelevante Auswirkungen wird immer wichtiger werden.

Ein ehrlicher Zugang zu kritischen Fragen kann dazu führen, dass Organisationen zunehmend Verantwortung für gesellschaftliche Entwicklungen übernehmen. Dies bedeutet, einen massiven Hebel zu entwickeln, der durch staatliche Eingriffe in dieser Form so nicht möglich ist. 

Wichtig ist zu erkennen, dass Gewinnorientierung und CSR/ESG kein Widerspruch sind.

Wir haben viele Erfahrungen gemacht, jetzt gilt es im Sinne einer ehrlichen Reflexion die Chancen von ESG/CSR zu erkennen und die richtigen Schritte im Management zu setzen.

Shifting from WHY to HOW wird mittelfristig zur Überlebensstrategie jeden Unternehmens zählen!

Ihre Meinung dazu, über Feedback freue ich mich!

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